Freitag, 23. September 2011
23. September
juli kreten, 11:25h
Haben Sie gut geschlafen? Nun, ich nicht! Ich habe von der Pariser Metro geträumt. Gefühlt die ganze Nacht lang. Am Morgen bin ich schweißgebadet und völlig erledigt aufgewacht. Danach habe ich mich mürrisch durch den Tag geschleppt. Auf meinem Kopf ein bis weit über die Augen reichender, unangenehmer Wattehut, wie ich in Paris öfter einen trage.

Aber jetzt zurück zur Metro: Neulich war die Vespa kaputt, eine Schraube war locker und es fehlte Kühlflüssigkeit, wie uns der wortkarge Stinker hinter dem Tresen bei unserem Vertragshändler erst nach geduldigem Nachbohren mitteilte. Weil in Paris die meisten Leute Scooter fahren, scheffelt der Stinker mit seinem Laden Geld wie Heu. Er kann es sich deshalb leisten, seine zahlungswilligen Kunden so zu behandeln, wie eines dieser vielen kleinen Hundehäufchen, die die Pariser Straßen zieren, er ignoriert sie einfach. Eigentlich macht der Stinker immer den Eindruck, als wäre er gerade aus einem längeren Schlaf erwacht, der ihn keinesfalls erfrischt hat. Seine Augen sind prinzipiell halb geschlossen, er flüstert mit verlöschender Stimme und bewegt sich nur im äußersten Notfall und dann auch nur im Zeitlupentempo hinter seinem Tresen hervor. Neulich hatte ich kurzfristig eine Vision, wie ich mit dem Arm mal eben schnell über den Tresen lange und ihm mit der Faust mitten auf seine rüsselige Stinkernase boxe. ZACK! Nur um zu sehen, was passiert. Sie fragen, warum wir nicht einfach die Werkstatt wechseln? Der andere Scooterhändler, den wir mal ausprobiert haben, hat mir immer in den Ausschnitt geglotzt und meinem Mann die Glatze getätschelt, außerdem hat er uns bei einer kleineren Unfallreparatur gleich einen fetten Versicherungsbetrug vorgeschlagen. Der ging also auch nicht. Na, lassen wir das. Die Vespa war jedenfalls kaputt und ich musste meine siebenjährige Tochter mit der Metro zur Schule bringen. Ich musste sie auch wieder mit der Metro abholen. Fahrzeit jeweils 35 Minuten mit Umsteigen in Châtelet. Die Metrostation Châtelet nimmt übrigens auf meiner Liste der beschissensten Orte, an denen man sich in Paris aufhalten kann, einen der oberen Plätze ein, aber das nur so nebenbei bemerkt.
Als ich noch ein Kind war, habe ich mal mit meinen Eltern in den Osterferien Paris besucht und meine leicht zu begeisternde Mutter stellte begeistert fest:
"Mit nur einem Metroticket kann man den ganzen Tag Metro fahren, vorausgesetzt man steigt nicht wieder an die Oberfläche!"
Das ist jetzt schon 35 Jahre her und es funktioniert immer noch so. Inzwischen weiß ich auch warum. Wenn die Pariser Metrobetreibergesellschaft je auf die Idee kommen würde, für ihre völlig überhitzen, völlig überfüllten, rumpelnden, holpernden Schrottzüge, in denen andauernd das Licht ausfällt, für die nach Pisse stinkenden Bahnsteige, die Kilometer langen, zugigen Gänge, die fehlenden oder ständig stillgelegten Rolltreppen, die ganz und gar überhaupt nicht Behinderten- oder Kinderwagengerechten Zugänge, die permanenten Streiks, die kaputten Automaten und Drehkreuze mehr Geld zu verlangen, würde es wahrscheinlich in Paris zu einem zweiten Sturm auf die Bastille kommen!

Aber jetzt zurück zur Metro: Neulich war die Vespa kaputt, eine Schraube war locker und es fehlte Kühlflüssigkeit, wie uns der wortkarge Stinker hinter dem Tresen bei unserem Vertragshändler erst nach geduldigem Nachbohren mitteilte. Weil in Paris die meisten Leute Scooter fahren, scheffelt der Stinker mit seinem Laden Geld wie Heu. Er kann es sich deshalb leisten, seine zahlungswilligen Kunden so zu behandeln, wie eines dieser vielen kleinen Hundehäufchen, die die Pariser Straßen zieren, er ignoriert sie einfach. Eigentlich macht der Stinker immer den Eindruck, als wäre er gerade aus einem längeren Schlaf erwacht, der ihn keinesfalls erfrischt hat. Seine Augen sind prinzipiell halb geschlossen, er flüstert mit verlöschender Stimme und bewegt sich nur im äußersten Notfall und dann auch nur im Zeitlupentempo hinter seinem Tresen hervor. Neulich hatte ich kurzfristig eine Vision, wie ich mit dem Arm mal eben schnell über den Tresen lange und ihm mit der Faust mitten auf seine rüsselige Stinkernase boxe. ZACK! Nur um zu sehen, was passiert. Sie fragen, warum wir nicht einfach die Werkstatt wechseln? Der andere Scooterhändler, den wir mal ausprobiert haben, hat mir immer in den Ausschnitt geglotzt und meinem Mann die Glatze getätschelt, außerdem hat er uns bei einer kleineren Unfallreparatur gleich einen fetten Versicherungsbetrug vorgeschlagen. Der ging also auch nicht. Na, lassen wir das. Die Vespa war jedenfalls kaputt und ich musste meine siebenjährige Tochter mit der Metro zur Schule bringen. Ich musste sie auch wieder mit der Metro abholen. Fahrzeit jeweils 35 Minuten mit Umsteigen in Châtelet. Die Metrostation Châtelet nimmt übrigens auf meiner Liste der beschissensten Orte, an denen man sich in Paris aufhalten kann, einen der oberen Plätze ein, aber das nur so nebenbei bemerkt.
Als ich noch ein Kind war, habe ich mal mit meinen Eltern in den Osterferien Paris besucht und meine leicht zu begeisternde Mutter stellte begeistert fest:
"Mit nur einem Metroticket kann man den ganzen Tag Metro fahren, vorausgesetzt man steigt nicht wieder an die Oberfläche!"
Das ist jetzt schon 35 Jahre her und es funktioniert immer noch so. Inzwischen weiß ich auch warum. Wenn die Pariser Metrobetreibergesellschaft je auf die Idee kommen würde, für ihre völlig überhitzen, völlig überfüllten, rumpelnden, holpernden Schrottzüge, in denen andauernd das Licht ausfällt, für die nach Pisse stinkenden Bahnsteige, die Kilometer langen, zugigen Gänge, die fehlenden oder ständig stillgelegten Rolltreppen, die ganz und gar überhaupt nicht Behinderten- oder Kinderwagengerechten Zugänge, die permanenten Streiks, die kaputten Automaten und Drehkreuze mehr Geld zu verlangen, würde es wahrscheinlich in Paris zu einem zweiten Sturm auf die Bastille kommen!
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