Donnerstag, 22. September 2011
22. September 2011
Sie sagen, dass Sie mich neulich in Paris auch auf einem Scooter gesehen haben. Stimmt, ich fahre ebenfalls ein Zweirad und doch muss ich Sie korrigieren. Ich fahre eine hübsche, mitternachtsblaue Vespa, keinen Scooter und außerdem bin ich kein Knatteraffe. Ich fahre vernünftig und halte mich an einfache Verkehrsregeln, wie das Einhalten von Höchstgeschwindigkeiten, das Stehenbleiben an roten Ampeln oder das Benutzen von Einbahnstraßen in der richtigen Richtung. Schon allein als lebenserhaltende Maßnahme und weil ich mir fest vorgenommen habe, erst im Alter von 90 Jahren, friedlich in meinem Bett schlafend, das Zeitliche zu segnen. Auch in optischer Hinsicht unterscheide ich mich deutlich von den Knatteraffen, die man schon am zweiten Tag in Paris leicht unter den übrigen Verkehrsteilnehmern ausmachen kann. Der Knatteraffe sitzt zumeist in zusammengekrümmter Haltung auf einem abgerockten Joghurtbecher und holt aus dessen 50 oder 80 ccm auch noch das Letzte raus. Falls der Knatteraffe einen Helm trägt, so balanciert dieser unverschlossen auf dem hinteren oberen Ende des Schädels und hat keinerlei Funktion mehr außer der, dem Knatteraffen dieses unverwechselbare Knatteraffenaussehen zu geben. Wenn die Knatteraffen zu zweit oder zu dritt auf einem Scooter hocken, trägt, wahrscheinlich aus Platzspargründen, meistens keiner einen Helm. Knatteraffen sind für die übrigen Verkehrsteilnehmer, besonders für Menschen mit Kinderwagen, Kleinkinder oder ältere Herrschaften lebensgefährlich. Rote Ampeln sind für Knatteraffen kein Muss, noch nicht einmal ein Kann, sie werden einfach überhaupt nicht beachtet und prinzipiell mit Höchstgeschwindigkeit überfahren. Die Joghurtbecher der Knatteraffen haben in der Regel kein Kennzeichen, was dem unguten Treiben ihrer Besitzer noch weiter Vorschub leistet. Gerne tauschen die Knatteraffen auch ihre Joghurtbecher gegen nicht für den Straßenverkehr zugelassene, aber trotzdem sackschnelle Kleinstmotorräder, um mit ihnen entweder auf der Straße andere Straßenverkehrsteilnehmer zu terrorisieren oder auf größeren Plätzen zu rasen, die voll sind mit spielenden Kindern. Zusammen mit dem Huper trägt der Knatteraffe maßgeblich zur Menge der Verkehrstoten und zur Lärmverschmutzung in Paris bei. Gehupt wird in Paris übrigens nicht nur bei konkretem Anlass, sondern auch prophylaktisch, um anderen Verkehrsteilnehmern zu zeigen, dass man auch da ist, um Dampf abzulassen, die Leere im eigenen Kopf zu übertönen, als Ausdruck der Freude. Zusammen mit den allgegenwärtigen Knatteraffen, den Beim-Rückwärtsfahren-Piepern. den An-der-Ampel-Motor-aufheulen-Lassern, den Sirenen, Hubschraubern, Flugzeugen, Straßenkehrmaschinen, gelingt es den allgegenwärtigen Hupern, Paris von morgens bis abends mit einem gleichmäßigen Klangteppich zu überziehen. Sagte ich eigentlich schon, dass ich in Paris nie hupe, auch wenn es mich oft in den Fingern juckt?

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