Freitag, 7. Oktober 2011
Von Müßiggängern und Modebienen
juli kreten, 12:34h
7. Oktober
Kennen Sie Cécilia Attias? Nein? Na, aber vielleicht kennen Sie Cécilia Maria Sara Isabel Ciganer-Albeniz geschiedene Martin geschiedene Sarkozy Attias? Sehen Sie, jetzt wissen Sie es. Cécilia Attias ist Sarkos Ex, Frankreichs kurzfristigste Firstlady, die, die so aussieht wie Carla Bruni in älter und eine dieser typischen reichen Pariserinnen, die mit glatt gehobelten Gesichtern, schicken Minis oder Fiat 500, Hermes-Taschen und Louboutin-Schläppchen das goldene Dreieck zwischen der Avenue Montaigne, Louis Vuitton und dem Hotel Bristol bevölkern, die sich morgens beim Frisör oder bei der Kosmetikerin die Zeit vertreiben, mittags mit Freundinnen lunchen und nachmittags shoppen gehen, bevor sie sich von ihrem anstrengenden Tag bei einem kleinen Drink an irgendeiner schicken Hotelbar erholen. Cécilia hat jetzt auch ein Blog. Nicht zu Mode, Kosmetik, Hin- und Herjetten zwischen New York (wo sie lebt) und Paris (wo sie oft ist) oder irgendeiner anderen Art, sein Geld effektiv zu verbraten. Nein, ein Blog, auf dem sie uns jeden Tag ihre Meinung zur Weltpolitik mitteilt. Palästina Krise, drohender Euro-Zusammenbruch, Hungersnot am Horn von Afrika, nichts ist ihr fremd, zu allem hat sie was zu sagen. Ein Blog, das ebenso interessant ist, wie die Meinung von Paris Hilton zur Weltpolitik, nur dass Paris Hiltons Ansichten wahrscheinlich irgendwie witziger wären und dass Cécilia genau dann startet, als ihr winziger, aufgeblasener Exmann in die Endrunde seines wenig aussichtsreichen Wahlkampfs um die Präsidentschaft in Frankreich eintritt. Happy Coincidence, n'est pas? Ein Blog, das weniger motiviert von der Sorge um die Weltpolitik, als der hübsche Versuch zu sein scheint, ihrem gernegroßen Exmann mit elegant gespitzen, dezent geschminkten Lippen in sein Süppchen zu spucken, das er früher gemeinsam mit Cécilia, heute allein oder mit Carla im teuren Restaurant des Hotel Bristol einzunehmen pflegt. Das alles wäre ja an sich nicht so schlimm: Irgendeine in die Jahre gekommene Lady äußert sich zur Weltpolitik, um ihren Ex zu ärgern. Na und? Dummerweise sind wir in Paris. Also stürzt sich die Presse drauf und schreibt drüber: von Figaro bis Gala! Hebt Cécilia und ihren dritten Mann Richard auf die Titelseiten, als wäre ihr Blog irgendetwas Weltbewegendes, wahrscheinlich frei nach dem Motto "wenn irgendwo in China ein Sack Reis umfällt." Und damit wären wir mal wieder beim Thema. Paris ist voll von aufgeblasenen Wichtigtuern, die aus Nichts scheinbare Bedeutung schöpfen. Ist natürlich auch eine Kunst, da haben Sie wahrlich recht, aber nerven tut es trotzdem. Neulich zum Beispiel habe ich versucht, mich als Vertretung für einen Kollegen, der regelmäßig über Kunst in Paris schreibt, auf die Liste einer Pressevernissage im Grand Palais setzen zu lassen. Die Leiterin der Pressestelle beschied mir, dass ich einen schriftlichen Antrag unter Beifügung meiner letzten Veröffentlichungen stellen müsste. Uha, hörte sich ganz schön wichtig an! Als ich dann zur Eröffnung kam, wälzte sich mit mir ein wahrer Gerontozug die vielen Treppen zu den edlen Hallen hinauf: Hundertjährige Damen mit blassviolett gefärbten Haaren und Diorkostümen von 1970, beleibte Herren mit spärlichen Haarkränzchen und dicken Gleitsichtbrillen. Die schrieben also alle fleissig Artikel, die sie zum Eintritt in die Pressevernissage berechtigten?? My ass! Auf jeden Fall kannten die meisten von ihnen das voluminöse Schlachtschiff, das die Pressehühnchen betreute, auf Bussi-Bussi-Niveau, was wohl der Ausgleich dafür war, dass die Zeitungen, für die sie vielleicht mal geschrieben haben, schon vor 30 Jahren eingestellt worden sind. Nebenan tobte übrigens an diesem Tag gerade die Modenschau von Chanel. Was wiederum ein ganz eigenes Spektakel ist. Sie müssen sich das so vorstellen: Während auf der einen Seite die Gebisse im Takt zum Plöppen der Gehilfen klapperten, rannten auf der anderen Seite dürre, circa zwei Meter große Frauen auf unglaublichen Absätzen, mit noch unglaublicheren Frikos und Tennisschläger großen Sonnenbrillen auf der Jagd nach Taxis durch die Gegend. Eine trug ein Art Cape in korallenrot, das ganz knapp unter ihrem hübschen Arsch endete. Im ländlichen Frankreich nennt man so was "Rase pet" (Furz-Rasierer), in Paris heisst das Haute Couture. Unter dem Cape trug sie eine fleischfarbene Strumpfhose, die in lachsrosa Lack-High-Heels endete, an denen hinten eine Art stiliserter Pfauenschweif ebenfalls in lachsrosa Lack befestigt war. Echt bizarr, glauben Sie mir. Ich wurde übrigens, während ich mir das Schauspiel der vorbeirasenden Modebienen anschaute, auf meiner Vespa von einem aggressiven Lieferwagenfahrer absichtlich zwischen seiner verbeulten Kühlerhaube und einem Seitenbegrenzungspfahl eingeklemmt, wahrscheinlich weil er sich darüber geärgert hatte, dass ich an der roten Ampel vor seine Rostlaube gefahren war. Eigentlich hätte ich absteigen und ihm kräftig aufs Maul hauen sollen, aber mein Fuß war leider mit eingeklemmt, also musste ich mich drauf verlegen, ihn solange zu beschimpfen und mit der Faust seine Motorhaube einzudellen, bis er ein Stück zurück rollte und mich ziehen ließ...
Kennen Sie Cécilia Attias? Nein? Na, aber vielleicht kennen Sie Cécilia Maria Sara Isabel Ciganer-Albeniz geschiedene Martin geschiedene Sarkozy Attias? Sehen Sie, jetzt wissen Sie es. Cécilia Attias ist Sarkos Ex, Frankreichs kurzfristigste Firstlady, die, die so aussieht wie Carla Bruni in älter und eine dieser typischen reichen Pariserinnen, die mit glatt gehobelten Gesichtern, schicken Minis oder Fiat 500, Hermes-Taschen und Louboutin-Schläppchen das goldene Dreieck zwischen der Avenue Montaigne, Louis Vuitton und dem Hotel Bristol bevölkern, die sich morgens beim Frisör oder bei der Kosmetikerin die Zeit vertreiben, mittags mit Freundinnen lunchen und nachmittags shoppen gehen, bevor sie sich von ihrem anstrengenden Tag bei einem kleinen Drink an irgendeiner schicken Hotelbar erholen. Cécilia hat jetzt auch ein Blog. Nicht zu Mode, Kosmetik, Hin- und Herjetten zwischen New York (wo sie lebt) und Paris (wo sie oft ist) oder irgendeiner anderen Art, sein Geld effektiv zu verbraten. Nein, ein Blog, auf dem sie uns jeden Tag ihre Meinung zur Weltpolitik mitteilt. Palästina Krise, drohender Euro-Zusammenbruch, Hungersnot am Horn von Afrika, nichts ist ihr fremd, zu allem hat sie was zu sagen. Ein Blog, das ebenso interessant ist, wie die Meinung von Paris Hilton zur Weltpolitik, nur dass Paris Hiltons Ansichten wahrscheinlich irgendwie witziger wären und dass Cécilia genau dann startet, als ihr winziger, aufgeblasener Exmann in die Endrunde seines wenig aussichtsreichen Wahlkampfs um die Präsidentschaft in Frankreich eintritt. Happy Coincidence, n'est pas? Ein Blog, das weniger motiviert von der Sorge um die Weltpolitik, als der hübsche Versuch zu sein scheint, ihrem gernegroßen Exmann mit elegant gespitzen, dezent geschminkten Lippen in sein Süppchen zu spucken, das er früher gemeinsam mit Cécilia, heute allein oder mit Carla im teuren Restaurant des Hotel Bristol einzunehmen pflegt. Das alles wäre ja an sich nicht so schlimm: Irgendeine in die Jahre gekommene Lady äußert sich zur Weltpolitik, um ihren Ex zu ärgern. Na und? Dummerweise sind wir in Paris. Also stürzt sich die Presse drauf und schreibt drüber: von Figaro bis Gala! Hebt Cécilia und ihren dritten Mann Richard auf die Titelseiten, als wäre ihr Blog irgendetwas Weltbewegendes, wahrscheinlich frei nach dem Motto "wenn irgendwo in China ein Sack Reis umfällt." Und damit wären wir mal wieder beim Thema. Paris ist voll von aufgeblasenen Wichtigtuern, die aus Nichts scheinbare Bedeutung schöpfen. Ist natürlich auch eine Kunst, da haben Sie wahrlich recht, aber nerven tut es trotzdem. Neulich zum Beispiel habe ich versucht, mich als Vertretung für einen Kollegen, der regelmäßig über Kunst in Paris schreibt, auf die Liste einer Pressevernissage im Grand Palais setzen zu lassen. Die Leiterin der Pressestelle beschied mir, dass ich einen schriftlichen Antrag unter Beifügung meiner letzten Veröffentlichungen stellen müsste. Uha, hörte sich ganz schön wichtig an! Als ich dann zur Eröffnung kam, wälzte sich mit mir ein wahrer Gerontozug die vielen Treppen zu den edlen Hallen hinauf: Hundertjährige Damen mit blassviolett gefärbten Haaren und Diorkostümen von 1970, beleibte Herren mit spärlichen Haarkränzchen und dicken Gleitsichtbrillen. Die schrieben also alle fleissig Artikel, die sie zum Eintritt in die Pressevernissage berechtigten?? My ass! Auf jeden Fall kannten die meisten von ihnen das voluminöse Schlachtschiff, das die Pressehühnchen betreute, auf Bussi-Bussi-Niveau, was wohl der Ausgleich dafür war, dass die Zeitungen, für die sie vielleicht mal geschrieben haben, schon vor 30 Jahren eingestellt worden sind. Nebenan tobte übrigens an diesem Tag gerade die Modenschau von Chanel. Was wiederum ein ganz eigenes Spektakel ist. Sie müssen sich das so vorstellen: Während auf der einen Seite die Gebisse im Takt zum Plöppen der Gehilfen klapperten, rannten auf der anderen Seite dürre, circa zwei Meter große Frauen auf unglaublichen Absätzen, mit noch unglaublicheren Frikos und Tennisschläger großen Sonnenbrillen auf der Jagd nach Taxis durch die Gegend. Eine trug ein Art Cape in korallenrot, das ganz knapp unter ihrem hübschen Arsch endete. Im ländlichen Frankreich nennt man so was "Rase pet" (Furz-Rasierer), in Paris heisst das Haute Couture. Unter dem Cape trug sie eine fleischfarbene Strumpfhose, die in lachsrosa Lack-High-Heels endete, an denen hinten eine Art stiliserter Pfauenschweif ebenfalls in lachsrosa Lack befestigt war. Echt bizarr, glauben Sie mir. Ich wurde übrigens, während ich mir das Schauspiel der vorbeirasenden Modebienen anschaute, auf meiner Vespa von einem aggressiven Lieferwagenfahrer absichtlich zwischen seiner verbeulten Kühlerhaube und einem Seitenbegrenzungspfahl eingeklemmt, wahrscheinlich weil er sich darüber geärgert hatte, dass ich an der roten Ampel vor seine Rostlaube gefahren war. Eigentlich hätte ich absteigen und ihm kräftig aufs Maul hauen sollen, aber mein Fuß war leider mit eingeklemmt, also musste ich mich drauf verlegen, ihn solange zu beschimpfen und mit der Faust seine Motorhaube einzudellen, bis er ein Stück zurück rollte und mich ziehen ließ...
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Freitag, 23. September 2011
23. September
juli kreten, 11:25h
Haben Sie gut geschlafen? Nun, ich nicht! Ich habe von der Pariser Metro geträumt. Gefühlt die ganze Nacht lang. Am Morgen bin ich schweißgebadet und völlig erledigt aufgewacht. Danach habe ich mich mürrisch durch den Tag geschleppt. Auf meinem Kopf ein bis weit über die Augen reichender, unangenehmer Wattehut, wie ich in Paris öfter einen trage.

Aber jetzt zurück zur Metro: Neulich war die Vespa kaputt, eine Schraube war locker und es fehlte Kühlflüssigkeit, wie uns der wortkarge Stinker hinter dem Tresen bei unserem Vertragshändler erst nach geduldigem Nachbohren mitteilte. Weil in Paris die meisten Leute Scooter fahren, scheffelt der Stinker mit seinem Laden Geld wie Heu. Er kann es sich deshalb leisten, seine zahlungswilligen Kunden so zu behandeln, wie eines dieser vielen kleinen Hundehäufchen, die die Pariser Straßen zieren, er ignoriert sie einfach. Eigentlich macht der Stinker immer den Eindruck, als wäre er gerade aus einem längeren Schlaf erwacht, der ihn keinesfalls erfrischt hat. Seine Augen sind prinzipiell halb geschlossen, er flüstert mit verlöschender Stimme und bewegt sich nur im äußersten Notfall und dann auch nur im Zeitlupentempo hinter seinem Tresen hervor. Neulich hatte ich kurzfristig eine Vision, wie ich mit dem Arm mal eben schnell über den Tresen lange und ihm mit der Faust mitten auf seine rüsselige Stinkernase boxe. ZACK! Nur um zu sehen, was passiert. Sie fragen, warum wir nicht einfach die Werkstatt wechseln? Der andere Scooterhändler, den wir mal ausprobiert haben, hat mir immer in den Ausschnitt geglotzt und meinem Mann die Glatze getätschelt, außerdem hat er uns bei einer kleineren Unfallreparatur gleich einen fetten Versicherungsbetrug vorgeschlagen. Der ging also auch nicht. Na, lassen wir das. Die Vespa war jedenfalls kaputt und ich musste meine siebenjährige Tochter mit der Metro zur Schule bringen. Ich musste sie auch wieder mit der Metro abholen. Fahrzeit jeweils 35 Minuten mit Umsteigen in Châtelet. Die Metrostation Châtelet nimmt übrigens auf meiner Liste der beschissensten Orte, an denen man sich in Paris aufhalten kann, einen der oberen Plätze ein, aber das nur so nebenbei bemerkt.
Als ich noch ein Kind war, habe ich mal mit meinen Eltern in den Osterferien Paris besucht und meine leicht zu begeisternde Mutter stellte begeistert fest:
"Mit nur einem Metroticket kann man den ganzen Tag Metro fahren, vorausgesetzt man steigt nicht wieder an die Oberfläche!"
Das ist jetzt schon 35 Jahre her und es funktioniert immer noch so. Inzwischen weiß ich auch warum. Wenn die Pariser Metrobetreibergesellschaft je auf die Idee kommen würde, für ihre völlig überhitzen, völlig überfüllten, rumpelnden, holpernden Schrottzüge, in denen andauernd das Licht ausfällt, für die nach Pisse stinkenden Bahnsteige, die Kilometer langen, zugigen Gänge, die fehlenden oder ständig stillgelegten Rolltreppen, die ganz und gar überhaupt nicht Behinderten- oder Kinderwagengerechten Zugänge, die permanenten Streiks, die kaputten Automaten und Drehkreuze mehr Geld zu verlangen, würde es wahrscheinlich in Paris zu einem zweiten Sturm auf die Bastille kommen!

Aber jetzt zurück zur Metro: Neulich war die Vespa kaputt, eine Schraube war locker und es fehlte Kühlflüssigkeit, wie uns der wortkarge Stinker hinter dem Tresen bei unserem Vertragshändler erst nach geduldigem Nachbohren mitteilte. Weil in Paris die meisten Leute Scooter fahren, scheffelt der Stinker mit seinem Laden Geld wie Heu. Er kann es sich deshalb leisten, seine zahlungswilligen Kunden so zu behandeln, wie eines dieser vielen kleinen Hundehäufchen, die die Pariser Straßen zieren, er ignoriert sie einfach. Eigentlich macht der Stinker immer den Eindruck, als wäre er gerade aus einem längeren Schlaf erwacht, der ihn keinesfalls erfrischt hat. Seine Augen sind prinzipiell halb geschlossen, er flüstert mit verlöschender Stimme und bewegt sich nur im äußersten Notfall und dann auch nur im Zeitlupentempo hinter seinem Tresen hervor. Neulich hatte ich kurzfristig eine Vision, wie ich mit dem Arm mal eben schnell über den Tresen lange und ihm mit der Faust mitten auf seine rüsselige Stinkernase boxe. ZACK! Nur um zu sehen, was passiert. Sie fragen, warum wir nicht einfach die Werkstatt wechseln? Der andere Scooterhändler, den wir mal ausprobiert haben, hat mir immer in den Ausschnitt geglotzt und meinem Mann die Glatze getätschelt, außerdem hat er uns bei einer kleineren Unfallreparatur gleich einen fetten Versicherungsbetrug vorgeschlagen. Der ging also auch nicht. Na, lassen wir das. Die Vespa war jedenfalls kaputt und ich musste meine siebenjährige Tochter mit der Metro zur Schule bringen. Ich musste sie auch wieder mit der Metro abholen. Fahrzeit jeweils 35 Minuten mit Umsteigen in Châtelet. Die Metrostation Châtelet nimmt übrigens auf meiner Liste der beschissensten Orte, an denen man sich in Paris aufhalten kann, einen der oberen Plätze ein, aber das nur so nebenbei bemerkt.
Als ich noch ein Kind war, habe ich mal mit meinen Eltern in den Osterferien Paris besucht und meine leicht zu begeisternde Mutter stellte begeistert fest:
"Mit nur einem Metroticket kann man den ganzen Tag Metro fahren, vorausgesetzt man steigt nicht wieder an die Oberfläche!"
Das ist jetzt schon 35 Jahre her und es funktioniert immer noch so. Inzwischen weiß ich auch warum. Wenn die Pariser Metrobetreibergesellschaft je auf die Idee kommen würde, für ihre völlig überhitzen, völlig überfüllten, rumpelnden, holpernden Schrottzüge, in denen andauernd das Licht ausfällt, für die nach Pisse stinkenden Bahnsteige, die Kilometer langen, zugigen Gänge, die fehlenden oder ständig stillgelegten Rolltreppen, die ganz und gar überhaupt nicht Behinderten- oder Kinderwagengerechten Zugänge, die permanenten Streiks, die kaputten Automaten und Drehkreuze mehr Geld zu verlangen, würde es wahrscheinlich in Paris zu einem zweiten Sturm auf die Bastille kommen!
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Donnerstag, 22. September 2011
22. September 2011
juli kreten, 12:35h
Sie sagen, dass Sie mich neulich in Paris auch auf einem Scooter gesehen haben. Stimmt, ich fahre ebenfalls ein Zweirad und doch muss ich Sie korrigieren. Ich fahre eine hübsche, mitternachtsblaue Vespa, keinen Scooter und außerdem bin ich kein Knatteraffe. Ich fahre vernünftig und halte mich an einfache Verkehrsregeln, wie das Einhalten von Höchstgeschwindigkeiten, das Stehenbleiben an roten Ampeln oder das Benutzen von Einbahnstraßen in der richtigen Richtung. Schon allein als lebenserhaltende Maßnahme und weil ich mir fest vorgenommen habe, erst im Alter von 90 Jahren, friedlich in meinem Bett schlafend, das Zeitliche zu segnen. Auch in optischer Hinsicht unterscheide ich mich deutlich von den Knatteraffen, die man schon am zweiten Tag in Paris leicht unter den übrigen Verkehrsteilnehmern ausmachen kann. Der Knatteraffe sitzt zumeist in zusammengekrümmter Haltung auf einem abgerockten Joghurtbecher und holt aus dessen 50 oder 80 ccm auch noch das Letzte raus. Falls der Knatteraffe einen Helm trägt, so balanciert dieser unverschlossen auf dem hinteren oberen Ende des Schädels und hat keinerlei Funktion mehr außer der, dem Knatteraffen dieses unverwechselbare Knatteraffenaussehen zu geben. Wenn die Knatteraffen zu zweit oder zu dritt auf einem Scooter hocken, trägt, wahrscheinlich aus Platzspargründen, meistens keiner einen Helm. Knatteraffen sind für die übrigen Verkehrsteilnehmer, besonders für Menschen mit Kinderwagen, Kleinkinder oder ältere Herrschaften lebensgefährlich. Rote Ampeln sind für Knatteraffen kein Muss, noch nicht einmal ein Kann, sie werden einfach überhaupt nicht beachtet und prinzipiell mit Höchstgeschwindigkeit überfahren. Die Joghurtbecher der Knatteraffen haben in der Regel kein Kennzeichen, was dem unguten Treiben ihrer Besitzer noch weiter Vorschub leistet. Gerne tauschen die Knatteraffen auch ihre Joghurtbecher gegen nicht für den Straßenverkehr zugelassene, aber trotzdem sackschnelle Kleinstmotorräder, um mit ihnen entweder auf der Straße andere Straßenverkehrsteilnehmer zu terrorisieren oder auf größeren Plätzen zu rasen, die voll sind mit spielenden Kindern. Zusammen mit dem Huper trägt der Knatteraffe maßgeblich zur Menge der Verkehrstoten und zur Lärmverschmutzung in Paris bei. Gehupt wird in Paris übrigens nicht nur bei konkretem Anlass, sondern auch prophylaktisch, um anderen Verkehrsteilnehmern zu zeigen, dass man auch da ist, um Dampf abzulassen, die Leere im eigenen Kopf zu übertönen, als Ausdruck der Freude. Zusammen mit den allgegenwärtigen Knatteraffen, den Beim-Rückwärtsfahren-Piepern. den An-der-Ampel-Motor-aufheulen-Lassern, den Sirenen, Hubschraubern, Flugzeugen, Straßenkehrmaschinen, gelingt es den allgegenwärtigen Hupern, Paris von morgens bis abends mit einem gleichmäßigen Klangteppich zu überziehen. Sagte ich eigentlich schon, dass ich in Paris nie hupe, auch wenn es mich oft in den Fingern juckt?
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Mittwoch, 21. September 2011
21. September 2011
juli kreten, 11:34h
Sie lieben Paris?
Komisch, dabei sehen Sie gar nicht aus wie ein Idiot.
Ach so, Sie leben nicht hier, sind nur übers Wochenende zu Besuch.
Ok, das erklärt einiges.
Wenn Sie nämlich hier leben würden, hätten Sie vorgestern morgen die hübsche Idee gehabt, mal eben aus Paris raus zu fahren, um ein bisschen im malerischen Forêt de Fontainebleau zu klettern und ein kleines Picknick zu veranstalten.
An einem sonnigen Sonntag wie vorgestern würden Sie diese Idee mit einer Million anderer Paris Bewohner geteilt haben. Um schnell aus der Stadt raus zu kommen, kann man den gemeinen Paris Bewohner selbst an einem sonnigen Sonntag leicht überlisten. Man muss einfach nur gegen Mittag losfahren, da sitzen alle beim Mittagessen und die Straßen sind leer. Zu diesem Zeitpunkt hätten Sie wahrscheinlich den völlig irrigen Eindruck gewonnen, dass der Forêt de Fontainebleau sich nur ein kleines Autostündchen von Paris entfernt befindet. Ein schnell erreichbares Paradies mit Kletterfelsen und ersten Steinpilzen, die appetitlich unter mächtigen Eichen sprießen.
Spätestens auf der Rückfahrt gegen 17 Uhr wäre Ihnen allerdings aufgefallen, dass zwischen dem Forêt de Fontainebleau und Ihrer Wohnung im Osten von Paris eine 2 1/2 Stunden nervenaufreibende Stop-and-Go-Fahrt in Begleitung von einer Million schrottgenervter, aggressiver, mit dem Handy telefonierender, aus unerfindlichen Gründen urplötzlich die Spur wechselnder, hupender, auf Motorrädern mit Höchstgeschwindigkeit zwischen den einzelnen Fahrbahnen heranrauschender, anderer Paris Bewohner liegt.
Zu Hause angekommen hätten Sie wahrscheinlich am liebsten Ihre beiden dank der langen Autofahrt im Schneckentempo völlig ausgeflippten Kleinkinder erwürgt und auf die tollen Spaghetti mit selbst gesammelten Steinpilzen aus dem Forêt de Fontainebleau hätten Sie auch keine Lust mehr gehabt, glauben Sie mir!

Komisch, dabei sehen Sie gar nicht aus wie ein Idiot.
Ach so, Sie leben nicht hier, sind nur übers Wochenende zu Besuch.
Ok, das erklärt einiges.
Wenn Sie nämlich hier leben würden, hätten Sie vorgestern morgen die hübsche Idee gehabt, mal eben aus Paris raus zu fahren, um ein bisschen im malerischen Forêt de Fontainebleau zu klettern und ein kleines Picknick zu veranstalten.
An einem sonnigen Sonntag wie vorgestern würden Sie diese Idee mit einer Million anderer Paris Bewohner geteilt haben. Um schnell aus der Stadt raus zu kommen, kann man den gemeinen Paris Bewohner selbst an einem sonnigen Sonntag leicht überlisten. Man muss einfach nur gegen Mittag losfahren, da sitzen alle beim Mittagessen und die Straßen sind leer. Zu diesem Zeitpunkt hätten Sie wahrscheinlich den völlig irrigen Eindruck gewonnen, dass der Forêt de Fontainebleau sich nur ein kleines Autostündchen von Paris entfernt befindet. Ein schnell erreichbares Paradies mit Kletterfelsen und ersten Steinpilzen, die appetitlich unter mächtigen Eichen sprießen.
Spätestens auf der Rückfahrt gegen 17 Uhr wäre Ihnen allerdings aufgefallen, dass zwischen dem Forêt de Fontainebleau und Ihrer Wohnung im Osten von Paris eine 2 1/2 Stunden nervenaufreibende Stop-and-Go-Fahrt in Begleitung von einer Million schrottgenervter, aggressiver, mit dem Handy telefonierender, aus unerfindlichen Gründen urplötzlich die Spur wechselnder, hupender, auf Motorrädern mit Höchstgeschwindigkeit zwischen den einzelnen Fahrbahnen heranrauschender, anderer Paris Bewohner liegt.
Zu Hause angekommen hätten Sie wahrscheinlich am liebsten Ihre beiden dank der langen Autofahrt im Schneckentempo völlig ausgeflippten Kleinkinder erwürgt und auf die tollen Spaghetti mit selbst gesammelten Steinpilzen aus dem Forêt de Fontainebleau hätten Sie auch keine Lust mehr gehabt, glauben Sie mir!

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